Sexy 8
Es geht um Begehren, Lust und Alltag, aber nicht um Nostalgie – ein Charakteristikum, das zeitgenössischen Filmemacher*innen gerne salopp vorgeworfen wird, wenn sie sich entscheiden, analog zu filmen. Dabei interessiert sich Daniela Zahlner für die wechselhafte Beziehung zwischen Filmemacher*innen und analogem Filmequipment, die mintunter auch von Begierde, Verführungskraft, aber auch Fetischisierung geprägt ist. Sexy 8 zeigt das durchaus erotische Moment einer Objektophilie, die nicht den Akt des Filmens oder Filmemachens in den Vordergrund rückt, sondern die unwiderstehliche Anziehungskraft, die das Filmen und die Haptik des Analogen überhaupt erst auslöst: Zunächst wird der EUMIG MARK S 802-Projektor zweimal von hinten umfasst– nicht grob, aber doch beanspruchend –, während das ikonische Rattern des Filmtransports den Film vertont. Bondage-artig wird dann ein Super-8-Streifen über Alltagsgegenständig gewickelt – ein Handlauf, eine Türklinke und ein Rückspiegel. Grundsätzlich nicht überraschende Objekte für das Home-Movie Format Super-8, das intime und private Alltagsmomente festzuhalten weiß. Die Berührungen des Projektors werden daraufhin sanfter; ein Streicheln und Abtasten gehen über in sinnliche und intime Berührungen, bis die Hand zum sensibelsten Punkt des Projektors vordringt: das Objektiv wird in rhythmischen Kreisbewegungen penetriert, wobei das Rattern im Hintergrund gleichmäßig bleibt. Erneut wird der Film um metallene, harte Stäbe gewickelt. Die Berührungen werden fester, lustvoller und dominanter. Der Projektorkörper wird an Henkel und Spule fest umfasst, eine letzte Streicheinheit und der Projektor liegt ruhig in den Armen. (Stefanie Reisinger)
Sexy 8
2012
Österreich
3 min