Siegfrieds Tod

Jan Soldats Filme archivieren auf verschiedene Weise Momente von Sex und Tod: in Doku-Videos von Fetisch- und Cruising-Situationen – und in Found Footage-Montagen vom Sterben in Filmfiktionen. Hinzu kommen Transaktionen, die Sex und Tod intensivieren: Verabredungen, durch die Männer einander finden, bzw. ideologische Aufladungen, die aus Todesszenen von Udo Kier oder Lance Henriksen oder aus Frauenleichen in TV-Krimis veritable money shots machen.

Siegfrieds Tod ist nun ein starres One-Shot-Movie mit vier Shots aus der Pistole, die zeitweise anstelle der Kamera das Bild vom Vordergrund aus regiert. Siegfried sitzt nackt im Licht seines Laptops und einer Tischlampe auf dem Sofa. Soldat spricht, scherzt, schimpft mit dem Berliner, dirigiert ihn per Pistole: "Nicht soviel reden" soll er, sondern "saufen". 

Siegfrieds Tod – deutsche Vergangenheit, bildhaft-mysteriös wie die Wandbilder (Ahnengalerie?) im Dunkel überm Sofa. Alles ist vorbei: Siegfried klagt über sein Alter, das trotz der schönen Zahl 69 offenbar wenig Sex bietet, keinen Fick via Onlinedating. Womöglich bleibt ihm nur der Anblick der "geilen Inder" vom Zustelldienst, der ihm sein Getränk zum "Saufen" brachte. Daten deutscher Vergangenheit: Sein Vater, erzählt er, habe ihn "drangsaliert" und seine Mutter an einem 1. Mai geschlagen – da wusste er als Vierzehnjähriger: "Den hasst du bis zum Lebensende!" Nibelungentreue zu einem Hass-Schwur, wie beim mythischen Siegfried: Ihn und den Berliner Namensvetter prägen brutale Familienbeziehungen, sexuelle Transaktionen – und Verletzlichkeit in ihrer Nacktheit.

Deutsche Geschichte: Der Pistolen-Exekutor des nackten Alten trägt Sturmhaube und heißt wirklich Soldat. Er sorgt sich: Wer diesen Film im Kino sieht, hält ihn wohl für ein "Schwein" und Siegfried für einen "Asi", Asozialen. Am Ende regiert soziale Transaktion: Der mutig an vier symbolischen Kopfschüssen (Suizid, Gnadenschuss, zwei Exekutionen) gestorbene Siegfried wirft uns Kusshände zu. Sieg, Frieden, Bussi. (Drehli Robnik)

Orig. Titel
Siegfrieds Tod
Jahr
2026
Länder
Deutschland, Österreich
Länge
12 min
Regie
Jan Soldat
Kategorie
Dokumentarfilm
Orig. Sprache
Deutsch
Untertitel
Englisch
Credits
Regie
Jan Soldat
Konzept & Realisation
Jan Soldat
Produktion
Jan Soldat
Verfügbare Formate
DCP 2K (Distributionskopie)
Bildformat
4:3
Tonformat
Mono
Bildfrequenz
25 fps
Farbformat
Farbe