In Person & Carte Blanche: Claudia Larcher

Mi 7. Oktober 2026 - Do 8. Oktober 2026 20:30
Österreichisches Filmmuseum

Zwei Abende, ein Kosmos: Das Filmmuseum widmet der Wiener Künstlerin, Filmemacherin und KI-Researcherin Claudia Larcher eine Werkschau, die fast zwei Jahrzehnte ihres künstlerischen Schaffens durchmisst. Ausgehend von der Fotografie als sozial und politisch wirksamer Praxis untersucht Larcher die Transformation des Bildes im digitalen Zeitalter – von der algorithmischen Animation bis zur immersiven, phygitalen Installation, in der physische und digitale Welt nahtlos verschmelzen.
 
In Programm 1, From Bay to Bark, werden Wetterphänomene und nicht-menschliche Akteur*innen – Pilze, Wurzeln, Humus – zu Welterschaffer*innen. Programm 2, From Self to Species, sieht das Selbst nicht als gegebenen Ausgangspunkt, sondern als Effekt aus Bildern, Algorithmen und Generationen. Höhepunkt ist die Weltpremiere von Extinction Story, in der Larcher den zoologischen Bestand ihres Großvaters als Ausgangspunkt für einen Essay über Sammlungen, ökologische und kulturelle Praktiken, Tod und (Re-)Animation nimmt.
 
In der Lecture-Performance From MTV to Future Cinema öffnet die Künstlerin im Gespräch mit Kuratorin Eva Fischer den Echoraum ihrer Bilder: Referenzen von Pipilotti Rist über VALIE EXPORT bis Björk und Chris Marker treffen auf Science-Fiction, Body-Horror und kritische Theorie – ein assoziativer Resonanzraum zwischen digitalem Humanismus und posthumaner Bildkultur.
 
Im Zentrum von Larchers Forschung stehen die Materialität von Daten, ökologische Zukunftsszenarien und ein bias-bewusster Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Den Abschluss bildet eine Carte blanche: Larchers persönliche Einladung in ihr filmisches Universum. (Eva Fischer/Michael Loebenstein)

Eine Veranstaltung des österreichischen Filmmuseums in Zusammenarbeit mit sixpackfilm, kuratiert von Eva Fischer und Michael Loebenstein
In Anwesenheit von Claudia Larcher

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Mittwoch, 7. Oktober, 18:00
Programm 1: From Bay to Bark

Points Lines Planes Claudia Larcher, AT 2018; Sound: Constantin Popp. DCP, Farbe, 14 min
#postalps Claudia Larcher, AT 2019. DCP, Farbe, 5 min
Collapsing Mies Claudia Larcher, AT 2020; Musik: Alexander J. Eberhard. DCP, Farbe, 7 min
Empty Rooms Claudia Larcher, Constantin Popp, AT 2011. DCP, Farbe, 11 min
Das große Baumstück Claudia Larcher, AT 2023; Sound: Ursula Winterauer. DCP, Farbe, 10 min
 
Vom fünfzehnminütigen One-Take eines vorbeiziehenden Gewitters über der Upper Bay New Yorks bis zur Mikro-Kamerafahrt durch die Rinde eines Baums spannt das erste Filmprogramm einen Bogen über fast zwei Jahrzehnte Larcherscher Welt-Anschauung. Points Lines Planes protokolliert die Verwandlung eines verlassenen Hafenareals durch das Wetter; #postalps porträtiert die alpine Erlebnisarena als Anti-Idylle des Klimawandels; Collapsing Mies bringt die Pavillons der klassischen Moderne im rotierenden Bild zum Einsturz und Empty Rooms durchquert die Nicht-Orte funktionalistischer Architektur. Als Schlussakkord taucht Das große Baumstück in den Mikrokosmos einer einzelnen Baumkrone ab, wo sich Wurzeln, Pilze und Humus in der Dunkelheit als Welterschaffer*innen betätigen. (E.F.)
 
Claudia Larcher im Gespräch mit Michael Loebenstein

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Mittwoch, 7. Oktober, 20:30
Lecture-Performance: From MTV to Future Cinema

Claudia Larcher öffnet in einer Lecture-Performance in Zusammenarbeit mit Eva Fischer (Civa / sound:frame) den Echo-Raum, aus dem ihre Bilder hervorgehen. In einer mehrteiligen Partitur werden Larchers Filme (u.a. Everytown [2007], Clar9000 [2005], gemeinsam mit Leo Peschta) mit Referenzen aus den Bereichen Science-Fiction, MTV-Ästhetik, Body-Horror und kritische Theorie in Beziehung gesetzt. Entlang dieser Verbindungslinien entsteht ein assoziativer Resonanzraum, der die Einflüsse, Motive und Denkfiguren sichtbar macht, die Larchers Arbeiten prägen. Bezugswerke ihrer Bildungsbiografie sind u.a. Pipilotti Rists frühe Selbstinszenierung I'm Not The Girl Who Misses Much (1986), Claire Denis' Körperkino mit der Kameraarbeit von Agnès Godard (Trouble Every Day, 2001), VALIE EXPORTs filmische Body Politics, Björks Cyborg-Pop-Apokalypse All Is Full of Love (Chris Cunningham, 1999) und Chris Markers Standbild-Post-Apokalypse La Jetée (1962). Irgendwo dazwischen: The End (2025), Larchers Film über das Ende des Kinos im Kinosaal selbst – konzipiert mit der Kuratorin Eva Fischer.
 
Claudia Larcher im Gespräch mit Eva Fischer

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Donnerstag, 8. Oktober, 18:00
Programm 2: From Self to Species

HEIM Claudia Larcher, AT 2009. DCP, Farbe, 12 min
Dramatis Personae Claudia Larcher, AT 2019. DCP, Farbe, 4 min
Me, myself and I Claudia Larcher, AT 2022. DCP, Farbe, 6 min
SELF Claudia Larcher, AT 2015; Sound: Constantin Popp. DCP, Farbe, 8 min
The Artist in the Machine Claudia Larcher, AT 2022. DCP, Farbe, 3 min
Extinction Story Claudia Larcher, AT 2026; Sound: Ursula Winterauer; Stimme: Michaela Bilgeri. DCP, Farbe, 17 min. Deutsch/Englisch. Weltpremiere
 
Das zweite Filmprogramm folgt der Identitätsachse in Larchers Werk: vom kleinbürgerlichen Elternhaus (HEIM) über die Emoji-Maske auf einem singhalesischen Gesicht (Dramatis Personae), das KI-erinnerte Frauenporträt der frühen 1990er Jahre (Me, myself and I), die anatomisch-analytische Hautlandschaft (SELF) und die Auslagerung der künstlerischen Identität in den Algorithmus (The Artist in the Machine) bis hin zur Weltpremiere von Extinction Story. Darin nimmt Larcher die Vogel-Eier-Sammlung ihres Großvaters Josef Schreiber als Ausgangspunkt für einen Essay über Sammlungen, ökologische und kulturelle Praktiken, Tod und (Re-)Animation (Off-Stimme: Michaela Bilgeri, Sound: Ursula Winterauer). Wo das erste Programm die uns umgebende Welt beobachtet, kehrt das zweite die Kamera nach innen, und stellt fest, dass das Selbst kein gegebener Ausgangspunkt ist, sondern ein durch Bilder, Stoffe, Algorithmen und Generationen konstruierter Effekt. (E.F.)
 
Claudia Larcher im Gespräch mit Gerald Weber

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Trouble Every Day
Claire Denis / FR/DE/LU/JP 2001

mit: Vincent Gallo, Tricia Vessey, Béatrice Dalle, Alex Descas, Aurore Clément. DCP, 101 min.  (Fr/EnOF mit engl. UT)
 
Ein türkisfarbenes Tuch treibt, vom Wind getragen, über die Straßen von Paris, ferner und ferner, die Tindersticks singen, zehrend, zweifelnd, "this trip, every day", und drunten tummeln sich versprengte Blutsauger, wagen sich zu nächtlichen Beutezügen aus ihren Verstecken. Ein ebenso schöner wie verstörender Film über Verlangen, Lust und Tod, versetzt mit Fragmenten des Vampirfilm-Genres: eine gescheiterte biologische Expedition, von der eine Virusinfektion mit kannibalistischen Folgen zurückbleibt; eine viktorianische Ehetragödie; schockierende Blutbilder. Liebeslyrik über die schreckliche Verletzbarkeit von Körper und Seele. Blaugrün schimmernde Hotelkorridore, nächtliche Landstraßen und unheimliche, versperrte Häuser. In den klinischen Laboren der Wissenschaft regiert die Ratlosigkeit. This trip, every day: eine atavistische Ballade, in der sich wortlose Traurigkeit und tödliches Begehren förmlich bedingen. (C.H.)
 
Einführung von Claudia Larcher

Österreichisches Filmmuseum
Augustinerstraße 1
1010 Wien

Kartenreservierungen: 533 70 54 oder online: filmmuseum.at